Catherine Breillats „Blue Beard“

Die Geschichte von zwei Schwestern als Parallelereignis. Einmal im Hier und Jetzt, einmal im märchenhaften Nirgendwo. Und immer wieder Tränen, viele Tränen. Der Katholizismus als Folie eines pompösen und tragischen Historiendramas – eine Endlosschleife der Filmgeschichte – und eine Jonathan Meese-artige Evilness, mal weichgespült, mal blutrünstig. Verzweifelt unentschieden. Nach 20 Minuten perfektem Erzählkino inszeniert Breillat in Barbe bleue /Blue Beard/Blaubart eine ausgedehnte Kutschenfahrt; über Minuten ist unter dem Auge der Protagonistin eine erstarrte, völlig unbewegliche Träne zu sehen, die durch den Märchenwald spazieren gefahren wird. Die Kunstträne in Reinform kullert nicht weiter, obwohl die Kutsche ruckelt. Très bien. Am Wegesrand, im finsteren Wald, blitzt plötzlich ein Schloss auf. Eine Vorsehung. Es reiht sich Tableau an Tableau. Ermüdend ist der mittelalterliche Singsang, einzig das Cembalo gefällt als Fetischobjekt – eine Spur mehr Coppola (Marie Antoinette) wäre wohltuend.


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